Stillst du etwa immer noch? Inklusive 25 passenden Antworten

Stillst du etwa immer noch? 

Endlich fragt jemand.

Als ich schwanger war, wollte ich sechs Monate voll stillen und es dann bis zum ersten Geburtstag „schaffen“. Es klang schwierig und ich hatte es bei meinem ersten Sohn „nicht geschafft“.

Nun stillen wir glücklich seit über 26 Monaten.

Eine Mutter sagte mir, sie habe sich beim Stillen wie eine Göttin gefühlt. Das trifft es.

Still dein Kind. Es ist ein Säugling.

Kinder werden auch ohne Flasche groß, gesund und lebensfroh. Stillen ist eine Erfahrung und Bereicherung, die dir niemals genommen werden kann. Stillen ist auf natürliche Weise „endlich“.

Je länger du stillst, desto öfter hörst du die Frage:

„Stillst du immer noch?“

Warum wird die Frage gestellt?

Bewunderung? Oftmals liegt auch Anerkennung darin, vor allem wenn die Fragende selbst gestillt hat. Das ist dann eher ein „WOW! Du stillst immer noch?“ mit einem „großartig!“ zwischen den Zeilen.

Abscheu? Das sind meist Menschen, die selbst nicht stillen können. Männer zum Beispiel.

Diese Menschen haben nicht begriffen, dass Bikinis für Brüste und nicht andersherum gemacht wurden. Ich habe Glück mit meinem. Er steht von Anfang an hinter uns mit der Entscheidung zu stillen. Bei manchen Menschen gibt es auch traumatische Erfahrungen aus der eigenen Kindheit, die sie dazu veranlassen, das Stillen eklig zu empfinden. Es gibt auch Frauen, die sagen „Ich bin doch keine Kuh“, dabei sollen sie kein Kalb ernähren.

Interesse? Niemand kennt jedes Thema. Durch die Werbung für die vielen Fertigprodukte für Babys und dadurch, dass die meiste Werbung fürs Stillen mit Neugeborenen oder noch ganz jungen Babys fotografiert sind, ist das Bild von älteren Stillkindern für viele fremd. Gebt euer Wissen über Stillen weiter.

Neid? Vielleicht hat die Fragende zu früh abgestillt oder ihr Stillstart war Hürdenreich? Viele Frauen spüren Schuldgefühle auch noch Jahre nach der Entscheidung. Manche Männer spüren auch eine Art Eifersucht, da sie anatomisch nicht in der Lage sind, ihr Baby zu ernähren. Dabei können Männer mit Kuscheln, Tragen und Spielen eine genauso starke Bindung zu ihrem Baby aufbauen. Und mit dem Beikoststart darf auch der Papa Gemüse schnippeln oder den Becher halten.

Dummheit? Und dann gibt es doofe Menschen, die einfach auch mal was sagen wollen. Ignorieren.

Entscheide, ob dich die Frage verletzt, beleidigt, aufregt oder ehrt. Oft genügt ein JA. Bei echtem Interesse kannst du Unwissende sachlich aufklären.

Ansonsten findest du hier 25 weitere Antworten:

Stillst du immer noch?

  1. Nein, mein Baby stillt. Ich sitze hier nur rum.
  2. Ja, ist es nicht wundervoll?
  3. Ja, du nicht?
  4. Ja und ich wollte es bis zu seinem 16 Geburtstag machen. Dann lade ich alle Freunde zu einer Milchparty ein.
  5. Ja, jeden der fragt.
  6. Nein, das sieht nur so aus.
  7. Nein, erst seit drei Minuten wieder.
  8. Ja, mein Partner bekommt das irgendwie nicht hin.
  9. Ja, mit Stolz.
  10. Ja, weil es keine Nachteile gibt.
  11. Nein, ich tu nur so als ob.
  12. Ja, bis zum Abitur.
  13. Ja, möchtest du probieren?
  14. Ja, ich bin doch erst 32.
  15. Tatsächlich, jetzt merke ich es auch.
  16. Ja, ich ernähre mein Kind. Ich bin eine Göttin.
  17. Ja, Cola und Bier mag er nicht. Alles schon probiert.
  18. Ja, abpumpen ist mir zu stressig.
  19. Ja, zur Führerscheinprüfung wollen wir einen Stillpausenantrag stellen.
  20. Ja bis er satt ist.
  21. Nein, schon wieder.
  22. Ja, mein Mann hat leider keine Milch.
  23. Ja, er braucht es.
  24. Ja, wir wollen keine Fertigprodukte.
  25. Ja und ich empfehle es jedem!

„Still, still, still, weil‘s Kindlein schlafen will“… stimme das Lied an und die Welt weiß Bescheid.

Langzeitstillen?

Fragende verbinden diese Frage mit Zeitangaben wie: Mit drei Monaten stillst du noch? Mit sechs Monaten, mit einem Jahr oder mit zwei Jahren braucht das Kind keine Muttermilch mehr. Es wird dann behauptet, damit das Kind zu verziehen oder zu verwöhnen, am Abnabeln zu hindern oder sogar zu schädigen. Solange die Milch fließt, wird sie gebraucht.

Ernährung und Erziehung sind zwei wichtige Bereiche. Die Ernährungsform hat nichts mit der Erziehung zu tun.

Es ist schade, dass es gesellschaftlich akzeptiert ist, einem Kleinkind einen Schnuller in den Mund zu stecken, damit es ruhig ist. Gleichzeitig sollst du dich beim Stillen deines Babys im Kaufhaus diskret und mit übergeworfenem Tuch verstecken.

Jeder hat eine Meinung zum Thema Stillen, Stilldauer und auch Stillen in der Öffentlichkeit.

Ich glaube stillen wird wieder „in“. Wenn ich öffentlich stille, lächeln die meisten Menschen mir freundlich zu oder schauen weg, sobald sie die Situation erfassen. Für mich ist beides ok.

Dein Kind profitiert vom Stillen, auch wenn es schon am Familientisch mit isst.

Die Muttermilch schützt durch Antikörper auch im zweiten Lebensjahr vor vielen Krankheitserregern. Sie enthält darüber hinaus Vitamine, Mineralstoffe, Enzyme und Spurenelemente. Wenn du es genau wissen willst, schau mal auf den Vergleich von Muttermilch und Anfangsmilch: Vergleich Muttermilch / Formular

Die Milch verändert sich ständig in der Zusammensetzung. Sie ist immer perfekt auf dein Kind abgestimmt. Du kannst dein Baby nicht mit Muttermilch überfüttern, auch wenn sie gehaltvoller als jeder Gemüse-Brei ist.

Kurzum: Muttermilch ist die geilste Nahrungsmittelergänzung überhaupt!

Wie lange stillen?

Steckt dahinter die Frage: Bis wann ist stillen „normal“? Wer entscheidet das? Die WHO empfiehlt 6 Monate voll zu stillen und begleitend bis zum zweite Lebensjahr und darüber hinaus. So lange es Mutter und Kind wünschen.

Beginnt Langzeitstillen somit nach dem zweiten Lebensjahr? Viele behaupten es beginnt mit dem ersten Geburtstag, wenn der Säugling zum Kleinkind wird. Stillen ist Stillen und es braucht keinen Namen. Weder nach drei Wochen, noch nach drei Jahren. Die natürliche Abstillzeit liegt zwischen zwei und vier Jahren. Das ist ein grober Richtwert! Jedes Kind lernt laufen, sprechen, essen, lesen und schreiben und Autofahren dann, wenn es dazu bereit ist. Nicht dann, wenn die Statistik es vorsieht. Das Milchzucker verdauende Enzym Lactase wird ab dem dritten Lebensjahr meist weniger vom Körper hergestellt. Daraus schließe ich, dass die Natur dann immer weniger Milchnahrung vorgesehen hat. Das betrifft artfremde Milch, wie die der Kuh, noch vor der Muttermilch.

Es gibt keinen Grund, sich fürs Stillen zu rechtfertigen. Jedes Mutter-Baby-Gespann muss seinen eigenen Weg gehen. Schade, dass in Deutschland die meisten Kinder schon vor dem ersten Geburtstag keine Muttermilch mehr erhalten.

Stillhilfe

Mir hat es oft geholfen, mich mit anderen Müttern auszutauschen. Ehrlich darüber zu sprechen, ob alles ok ist, wenn das Baby zeitweise tagelang an der Brust hängt. Oder in den Abendstunden nur ruhig ist, wenn es an der Brust nuckelt. Es tut gut zu wissen, dass alles normal ist.

Aber es gibt auch nervige Stillsituationen, schmerzende Brüste und beißende Babys. Während einem Milchstau konnte ich mich auf nichts Anderes konzentrieren. Ich kniete akrobatisch über meinem Baby, um die verhärtete Stelle von seinem Gaumen wegmassiert zu bekommen. Dazu rannte ich regelmäßig ins Bad, um den Quarkwickel abzuwaschen. Diese Tipps der Hebamme halfen mir, dass ich es jedes Mal früher erkannte und schneller besiegte.

Falls du Hilfe brauchst, wende dich an eine Stillberatung in deiner Nähe. Sie hilft dir bei den verschiedenen Anlegetechniken, beantwortet dir Fragen und löst Still-Probleme. Unter diesen Links wirst du fündig:

La Leche Liga

AFS Stillberatung

BDL Stillberatungsuche

Auch deine Hebamme kann dir helfen. Das übernimmt im besten Fall sogar deine Krankenkasse. Informiere dich darüber im Voraus.

Liebe Still-Mutter: bleib selbstbewusst.

Stille so lange wie es sich richtig anfühlt. Die Natur ist großartig. Vertraue ihr und deiner Intuition. Ich wünsche dir ein stillfreundliches Umfeld und das jemand da ist, der dir den Rücken stärkt, wenn alle Welt dich wieder fragt: Stillst du etwa immer noch? Denke daran: Du bist eine Göttin!

Kennst du noch mehr gute Antworten auf die Frage? Teile sie mit allen in einem Kommentar. Danke.

Ich wünsche dir laute Familientischgespräche,

Deine Kerstin

PS: Falls du statt der Still-Frage eher die Arbeitsfrage hörst (Was? Du nimmst Elternzeit?!), könnte das hier auch deine Chance sein: Dein Mama-Business

Kommentare  

#2 Kerstin Rehse 2017-03-01 19:31
Danke Philine für diese Ergänzung! Und den allerersten Kommentar auf meinem Blog. Ich freue mich gerade soooo sehr :)
+1 #1 Philine 2017-03-01 07:12
Ja ich stille immer noch... Rippchen will sie noch nicht.
Immer frei nach dem Motto: Von der Brust ans Rippchen!