Gläschen oder Mittagessen?

Gläschen oder Mittagessen?

Warum gibt es massenhaft Gläschen für Babys? Sind Gläschen gesund? Kannst du deinem Baby bedenkenlos Gläschen geben?

Es gibt viele Pro und Contra Listen auf die Frage: Gläschenkost oder selbst kochen? Das Obstgläschen überflüssig sind, hatten wir schon besprochen, doch wie steht es um Gemüsegläser?

Ein Gläschen mit Gemüsebrei ist eine Konserve.

Ich nenne es Glas-Food.

Die Aussage: Gläschen seien strenger kontrolliert, als das Bio-Gemüse im Laden ist Augenwischerei! Splitter und andere Fremdkörper kommen selten vor, doch wenn es ausgerechnet dein Baby trifft, dann gute Nacht.

Ökotest hat neben einem giftigen Spurenelement auch bedenkliche Vorkommen von Benzol und Furan in Gläschen und Karottensäften gefunden. Im Karottensaft in Bio- bzw. Demeter-Qualität sind die Benzolwerte 5x so hoch wie der Grenzwert für unser Trinkwasser. Die angesprochenen Hersteller redeten sich damit raus, dass Gläschenkost nicht ein Leben lang verzehrt würden, sondern nur eine kurze Zeit. Hier der Link zum Artikel: Ökotest

Von Eltern, die sich selbst nicht von Ravioli und Hochzeitssuppen aus der Dose ernähren, erwarte ich, dass sie auch ihr Baby an einer gesunden Ernährung teilhaben lassen.

Von Anfang an.

Wenn du selbst kochst, entscheidest du, was dein Baby bekommt.

Du kannst auf Zucker, Salz, Milch und Gewürze verzichten. Noch besser: Du kannst alles weglassen, was nicht in eine ganzheitliche Ernährung gehört und dafür alles nach und nach einführen, was wert- und gehaltvoll ist. Manche Konserven enthalten Zusätze wie Aromen oder Zitronensäure.

Gib deinem Baby ein Mittagessen statt einem Gemüse-Gläschen.

Eine ganzheitliche Ernährung mit häufigem Glas-Food ist unmöglich.

Wir sind an den Produktproben nicht vorbei gekommen, weil mein Schatz uns bei den verschiedenen Newsletter angemeldet hatte. Die Not-Ration an Gemüsegläschen hat die Beikosteinführung überdauert und steht weiterhin bei uns im Schrank. Sollte bei uns Krieg ausbrechen, bin ich bereit sie zu füttern. Oder ich esse sie selbst und stille wieder voll.

Brauchen Babys Abwechslung?

Die Vielfalt, die dir die Glas-Food Industrie anbietet, braucht dein Baby nicht. Auch wenn es im Winter weniger Gemüsearten gibt, bekommt dein Baby alle Nährstoffe.

Kartoffeln und Karotten gibt es bei uns immer zu kaufen. Kartoffeln sind die perfekte Beilage zu allen anderen Gemüsen. Bist du über das erste Gemüse hinaus und bietest Kartoffeln dazu an, beträgt das perfekte Verhältnis 70:30. Einfacher: zwei Teile Gemüse auf ein Teil Kartoffeln. In Gläschen ist das Verhältnis oft schlechter, da Gemüse in der Regel teurer ist, als Kartoffeln.

Hast du schon mal Spagetti Bolognese mit Reis gegessen? Genau diese Zusammensetzung findet sich im Hipp Spagetti Bolognese Gläschen ab dem 5. Monat. Reis bindet Wasser, so dass zugefügtes Wasser und Reis das Volumen der Nahrung erhöht und dabei kaum etwas kostet.

3 weitere Beispiele aus der Kategorie Spagetti-Bolognese-Reis:

(1) Das steht drauf:                 Brokkoli Blumenkohl Gemüse (humana)

(1) Das ist außerdem drin:        Reis

(1) Kochst du selbst, dann garst du Brokkoli und Blumenkohl im Dampfgarer und bietest es als kleine Bäumchen zum Greifen an. Reis enthält weder Geschmack noch viele Nährstoffe.

(2) Das steht drauf:                  Buntes Buttergemüse (Alete)

(2) Das ist zusätzlich drin:         Reisgries, Sonnenblumenöl, Rapsöl.

(2) Buttergemüse mit Reis ist für den Rest der Familie vertretbar, dann aber bitte Vollkorn und für den Ess-Beginner nur das Gemüse. Reisgries enthält wieder kaum Nährstoffe. Reisgries wird aus weißem Reis hergestellt. Sonnenblumenöl hat ein sauschlechtes Omega 3 zu Omega 6 Fettsäuren Verhältnis.

(3) Das steht drauf:                  Zucchini, Kürbis und Kartoffel (Holle)

(3) Das ist auch noch drin:        Vollkornreis

(3) Vollkornreis enthält mehr Mineralstoffe, als geschälter Reis, dennoch wird er hier genutzt, um weniger Gemüse und Kartoffeln ins Glas zu geben. Wenn du nur Gemüse und Kartoffeln geben willst, lass dieses Glas im Regal stehen.

Je weniger Zutaten die Gläschen enthalten, desto besser. Du kannst einige Glas-Foods und andere Baby Fertignahrung in der Datenbank vom Verbraucherfenster Hessen bequem im Netz vergleichen und wirst sicherlich noch mehr solcher „Gemüse-Strecker“ finden: Babynahrung Produktsuche

Hast du versehentlich eine Glas-Food-Lüge gekauft? Geschenkt bekommen oder im Laden entdeckt? Teile deinen Fund gerne in den Kommentaren unter diesem Artikel oder schicke ihn mir.

Nachdem du maximal eine Notfallration an Glas-Food gekauft hast, hier die Basis für selbstgekochte Familiengerichte:

1.    Zu Beginn einzelne Gemüsesorten nutzen und diese nach guter Verträglichkeit um Kartoffeln erweitern

2.    Bevorzuge regionales, Bio-Gemüse

3.    Das pure Gemüse ist ein Geschmacksfeuerwerk für dein Baby. Verzichte auf Salz und Zucker sowie scharfe Gewürze. Zu Beginn lass Kräuter und Butter weg.

4.    Dampfgare dein Gemüse und schneide für dein Baby pommesgroße Sticks zum selbst essen oder püriere es nach dem Garen. Beim Dampfgaren wird das Gemüse schonender erhitzt und es können mehr Vitamine überleben.

5.    Stillen ist vor, nach und während den Mahlzeiten erwünscht und sinnvoll für deinen Beikoststarter. Mit der Zeit wird dein Baby unaufgefordert mehr essen und weniger stillen.

6.    Die Gemeinsamkeit und das Abenteuer Essen sind die ersten Prioritäten. Mit einer ganzheitlichen Ernährung wächst die Zunahme an Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und Nährstoffen von selbst mit.

Auch mit Glas-Food wächst ein Baby.

Nur zu welchem Preis?

Gib deinem Prinzen oder deiner Prinzessin die Chance von Anfang an echte Lebensmittel kennen zu lernen. Mit der oben genannten Basis hast du zu Beginn keine Mehrkosten, da du die Lebensmittel selbst ebenfalls isst und dein Baby nur eine sehr kleine Menge braucht. Eine Gläschenmahlzeit kostet 1-3 Euro extra. Zum Beikoststart musst du vermutlich viel übrigen Brei verwerfen. Das Glas muss ins Altglas. Und was meinst du, wie viele Pastinaken du schälen kannst, in der Zeit in der du die Zutatenlisten studierst, die Gläschen kaufst, erwärmst, verfütterst und entsorgst?!

Keine Angst vorm Kochen!

Sogar wenn du perfekt kochst, heißt es nicht, dass dein Baby die angedachte Portion auch isst und alle Nährstoffe bekommt, die du angeboten hast. Solange du stillst, ist das nebensächlich.

Werden größere Portionen gegessen, füge bei Gemüsebreien etwas hochwertiges Öl oder Mandelmus hinzu. Je nach Portion ein Teelöffel, am Anfang eher weniger. Das ist bei den meisten Gläschen ebenso sinnvoll.

Bitte kein Sonnenblumen-, Distel- oder Weizenkeimöl. Nimm ein biologisch Raps- oder Olivenöl. Falls du noch eine Entscheidungshilfe dafür suchst, habe ich es bei den „verbotenen Lebensmittel“ zusammengefasst.

In Muttermilch ist auch hochwertiges Fett, daher ist das mit dem Stillen vor und nach dem Essen hilfreich. Wenn du häufig stillst, brauchst du keine Ölzugaben zum Gemüse. Gemüsesticks solltest du nicht ölen. Sonst bekommt der Begriff Flutschfinger nochmal eine ganz andere Bedeutung.

Für die größeren Kinder und die Erwachsenen am Familientisch kannst du das Gemüse und die Kartoffeln mit Soßen, Butter, Kräutern oder Gewürzen abwechslungsreicher gestalten. Nur bitte keinen Ketchup. Der besteht zur Hälfte aus Zucker und hat nichts mit ganzheitlicher Ernährung am Deckel.

Kochst du schon oder wärmst du noch auf?

Ich wünsche dir glasklare Familientischgespräche,

Deine Kerstin